Schmelztiegel der Kreativität

Stadtmagazin MARTINI 04/2012: 

Die 13. Jazznacht bietet mit dem Bassisten Renaud Garcia-Fons und der Band „NoJazz” (Foto) einen kleinen Einblick in die vielseitige Musikszene Frankreichs. Dabei sind dort die Rahmenbedingungen für die Musiker gar nicht optimal.

Die 13. Halberstädter Jazznacht wird ein französische. Nach den USA und Norwegen widmet das Halberstädter Musik-Forum e.V. die Jazznacht erneut einem Land. 

Die Jazzszene in Frankreich ist groß. Sie gilt als spannend und kreativ, mit traditionellen Einflüssen, weltweitem Austausch und innovativen Sound-Experimenten. In diesem Schmelztiegel nähren sich zahllose Talente. Die Zahl der Jazz-Musiker wird mit zehn mal mehr beziffert als noch vor zwanzig Jahren. Immer mehr Absolventen verlassen die Ausbildungsgänge an den Musikschulen. Das verwundert, sind doch die Rahmenbedingungen in Frankreich für die Musikszene in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. Jazzmusiker beklagen Einschnitte im Sozialsystem, Budgetkürzungen für Festivals und die mangelnde Beachtung in der Presse.

Aus der Not heraus hat die französische Jazzszene quasi eigenhändig ein Netzwerk aus Musikern, Vereinen, Verbänden, Programmmachern, Radiojournalisten, Schulen und Medien geschaffen, das die Musik am Leben hält, die die Franzosen als Teil ihrer eigenen Kultur angenommen haben, seit die ersten afro-amerikanischen Musiker Anfang der 1920er Jahre nach Frankreich kamen.

Am 14. April zeigt die 13. Halberstädter Jazznacht im Großen Saal des Nordharzer Städtebundtheaters welche Vielfalt Frankreichs Jazzszene insich birgt. An diesem Abend werden die Formationen „La Linea del Sur“ um den großartigen Bassisten Renaud Garcia-Fons und die für ihre temperamentvollen Live-Auftritte bekannte Gruppe „NoJazz“ zu hören und zu sehen sein. Diese beiden Bands stehen stellvertretend für die außerordentlich vielschichtige Jazzszene Frankreichs. Die Basis dafür ist die ungeheuer reichhaltige Clublandschaft von Paris. Höhepunkt für jede Band ist dort ein Auftritt im Konzertsaal der Cite de la Musique im Nordosten der Stadt.

Die Geschichte des französischen Jazz ist untrennbar mit dem Namen Django Reinhard verbunden, dessen Musik Generationen prägte. Viele der Jazz-Musiker fühlen sich ihm noch heute tief verbunden. Dennoch haben sie versucht, ihren eigenen, unverwechselbaren Stil zu finden. Mit Michel Portal, Christian Escoude, Martial Solal und Henri Texier seien nur einige Exponenten dieser Strömung genannt. Doch auch eigenständige Projekte wie die Bach-Interpretationen des Jacques-Loussier-Trios oder Pierre Courbios` Association P.C. wurden über die Grenzen hinaus bekannt. Ebenso waren auch Kooperationen mit bekannten amerikanischen Jazzmusikern höchst angesagt.

Die Zusammenarbeit von Michel Legrand mit dem unvergessenem Jazztrompeter Miles Davis im Louis Malle Projekt „Fahrstuhl zum Schafott“ ist dabei am Nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben.

In der heutigen Jazzlandschaft sind die verschiedenartigsten Einflüsse anderer Kulturen deutlich spürbar. Musikalische Zitate aus der karibischen oder auch der afrikanischen Traditionen fließen ebenso mit ein wie die Klänge des Flamengo. Ihre bekanntesten Vertreter sind das Ensemble von Eric Truffaz, die Formationen der Akkordeon-Spieler Jean-Louis Matinier und Richard Galliano oder auch die Band der Sängerin China Moses und letztendlich natürlich auch die Musiker, die zur Halberstädter Jazznacht gastieren werden. Klaus Huch