Gegensätzliche Bands begeistern mit Jazz

Volksstimme vom 23. April 2014:

Die 14. Halberstädter Jazz- nacht ist nicht von einem Land thematisiert wor- den, sondern zwei sehr gegensätzlichen Bands, die sich mit ihrem jeweils sehr eigenen Stil präsen- tiert haben. Neben dem „Marcin-Wasilewski-Trio“ aus Polen der Gitarrist Nguyên Lê mit dem Programm „Songs of Freedom“. 

Nguyyen Le, Himiko Paganotti (v.l.)
Nguyyen Le, Himiko Paganotti (v.l.)

Das Marcin-Was- lilewski-Trio in der klassischen Besetzung eines Jazz-Piano- Trios bot anspruchsvollen kammermusikalischen Mo- dern-Jazz. Die Musik immer sehr getragen, was durch die Passagen mit seinem Kontra- bassisten Slawomir Kurkiewicz verstärkt wurde. Die Komposi- tionen kamen zuweilen balla- denhaft auch etwas schwermütig daher.

Marcin Wasilewski am Piano ist der dominierende Musiker des Trios. Er lebte sich in seinen langen Improvisationen voll aus. Rasante Melodienführungen in der rechten Hand, unterstützt von Begleitakkorden in der linken, und immer wieder die Rückkehr zu ruhigen Passagen. Michal Miskiewicz lieferte am Schlagzeug unaufdringlich den rhythmischen Boden für das Trio.

Nach dem vergleichsweise ruhigen ersten Set war das Pu- blikum um so gespannter auf das, was in der zweiten Hälfte Nguyên Lê servierte mit seiner Formation und der Sängerin Himiko Paganotti bei der 14. Halberstädter Jazznacht mit „Songs of Freedom“  zu erwarten war. In der Pause im Foyer eine Formation von Musikstudenten, die sich aus ihren Tagen an der Stendaler Musikschule kannten und bekannte Jazzstandards als Pausenfüller boten. Eine etwas größere Verstärkeranlage hätte ihnen mehr Durchsetzungsfähigkeit verliehen. Am insgesamt positiven Gesamteindruck änderte das freilich wenig.

Nach der Pause dann Nguyên Lê mit seiner Forma- tion und der Sängerin Himiko Paganotti als kongeniale Frontfrau an seiner Seite. Sie boten mit „Songs of Freedom“ eine Musik, die als Jazz-Rock zu bezeichnen zu verkürzt wäre. Nein, das war Fusion-Jazz in der brillantesten Form. Nguyên Lê hat die Jazz-Riffs in den Fingern, dass es einen nur so um die Ohren knallte. Und Himiko Paganotti riss mit ihrer hauchigen und fast mystischen Stimme die Alt-68er mit dem Woodstock-Kult-Hit „Mercedes Benz“ von Janis Joplin als Opener aus den weich gepolsterten Stühlen des Nordharzer Städtebundtheaters. Ein weiterer musikalischer Tupfer war das Vibraphon.

Songs zu covern, ist eine Seite, die ist tagtäglich zu erleben. Solch einen prägenden Stil auf diese Songs zu legen, ist wohl eher selten zu erleben. Mit dieser Formation hatte das Halberstädter Musikforum um Klaus Huch den Nerv des Publikums punktgenau getroffen, um eine bleibende Erinnerung an die 14. Halberstädter Jazz- nacht im Ohr zu behalten. Den Organisatoren und Sponsoren gelang das Kunststück, fernab von großen Städten, wo Jazzclubs schließen, in der Jazz-Provinz so viele Menschen für diese Musik zu begeistern, dass ein ganzes Theater gefüllt wurde.   Friedmar Quast